


Das frauen museum wiesbaden und das Medienzentrum Wiesbaden haben im Rahmen der Kampagne »Frauen am Ball – Wir kicken mit…« ein medienpädagogisches Videoprojekt mit 35 Mädchen aus fünf Wiesbadener Vereinen (MFFC Wiesbaden,
1. FSV Schierstein 08, KFV 06, DJK Schwarz-Weiss, TSV Bleidenstadt) durchgeführt. Aufgeteilt in zwei Gruppen haben sich die Nachwuchsfußballerinnen nicht nur mit den Grundlagen filmischen Arbeitens beschäftigt, sondern sind im Rahmen der Filmarbeiten der persönlichen Faszination Fußball gefolgt. Herausgekommen sind zwei 15-minütige Filme, die die individuelle Sicht der Mädchen auf Fußball dokumentieren.
Unter dem Titel »Ich bin ein Haus!« vermittelt ein neues Schulprojekt des frauen museum wiesbaden Schülerinnen und Schülern der vierten bis siebten Jahrgangsstufe das Thema Historismus auf lebendige und kreative Weise anhand ausgewählter Wiesbadener Gebäude.
Sieben Klassen haben sich angemeldet, um nach den Sommerferien einen Stadtrundgang der anderen Art mitzuerleben: Das Projektteam spricht verschiedene Sinne an und möchte den Kindern und Jugendlichen mittels Perspektivwechsel (Was bin ich für ein Haus? Was macht mich lebendig? In welcher Funktion stand ich damals und stehe ich heute? etc.) ein Gefühl für das 19. Jahrhundert und die Stilrichtung(en) dieser Zeit geben.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind mit Kamera, Block und Stiften ausgerüstet und werden von einem mobilen Baukasten mit unterschiedlichen Bauelementen begleitet, mit dem sie bereits vor Ort experimentieren können und der sie für die anschließende Gestaltungsphase im Unterricht inspirieren soll.
Auf Grundlage des Stadtrundgangs und unter Anleitung der teilnehmenden Lehrerinnen lassen sich die Schülerinnen und Schüler auf einen kreativen Prozess im Kunstunterricht ein, bei dem sie frei sind in der Wahl des Materials und der Umsetzung des Themas »Historismus« und »Ich bin ein Haus!«.
Alle so entstandenen Exponate werden in einer Ausstellung gezeigt, die im November im frauen museum wiesbaden eröffnet wird.
20 Jahre ist es her, dass sich – damals noch in der Nerostraße 16 – etwas entwickelte, das Frauen in der »eigenen Geschichte und Identität bestärken« sollte. Auf den Tag genau, am 7. November, eröffneten Beatrixe Klein, Kim Engels, Eva Schuster, Monika Scholz, Gerlinde Kessler sowie Gabriele Möllmann und Birgit Wehnert ihre erste Ausstellung: Seither prägte das »Leben in Bewegung« den Fortgang der Geschichte nicht nur des Hauses, sondern auch des Lebens in dieser Stadt.
Dieses Jubiläum zum Anlass nehmend, feiert das Frauenmuseum, Wörthstraße 5, am Sonntag, den 7. November, ab 12 Uhr mit der Ausstellung (M)ein Stück frauen museum wiesbaden: 20 Jahre Kultur- und Bildungsarbeit, Kreativität, gesellschaftlichen Zündstoff. Unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Maria Mies aus Köln und Angelika Thiels (Stadtverordnetenvorsteherin) sowie Claudia Poeschmann, Hochheim. Laudatorinnen sind Margarethe Goldmann und Prof. Dr. Susanne Schröter.
Welt bewegend ist die Museumsszene Wiesbadens zwar immer noch nicht, aber mit dem 1984 gegründeten Frauenmuseum steht die Stadt in Deutschland – lediglich in Bonn gibt es noch eine ähnliche Institution – immer noch ziemlich einzigartig da. Wenn auch der Ausdruck »artig« in diesem Zusammenhang ein klein wenig deplatziert zu sein scheint, waren doch die Macherinnen der Institution nie artig. Und auch jetzt gibt es in der Welt nur im dänischen Aarhus eine vergleichbares Museum, während das Washingtoner Haus und das Berliner »Verborgene Museum« sich auf Frauenkunst spezialisierten. Im Januar des Folgejahres nahm auch Emma davon Notiz, dass »Hessens Landeshauptstadt um ein Frauenprojekt reicher« geworden war.
Ganz sicher waren sich die Frauen des Museums nicht, was aus ihren Träumen werden würde. Doch wollten sie »die Welt verändern«, wirkt Beatrixe Kleins Enthusiasmus von damals nach. Mit diesem Anfang einer Stadtgeschichte aus einem anderen Blickwinkel, nämlich über »Frauen in Wiesbaden von 1850 bis heute«, war der Grundstein gelegt. Bereits im zweiten Jahr folgten sieben Ausstellungen und Veranstaltungen, die, wie die von Margarethe Mitscherlich hier gestellte Frage »Macht Emanzipation Angst?«, zu lebhaften Diskussionen führten.
Fünf Jahre danach, 1990, war das Haus nach knapp 40 Ausstellungen und einer Reihe von Veranstaltungen, die meist mit der Fragestellung um eine Kultur verknüpft waren, die nicht patriarchal geprägt sei, auf dem finanziellen Höhepunkt angelangt: Das größere Haus in der Wörthstraße 5 und ein »satter Etat« ließen für Kim Engels, Eva Schuster und Beatrixe Klein endlich ein ruhigeres Arbeiten an den drei Säulen »aktuell Politisches, Stadtgeschichte und Grundlagenforschung« zu, die hinter dem mit Vorträgen, Stadtführungen und natürlich Ausstellungen nach außen wirkenden Konzept stehen. Wieder drei Jahre später erlangte das Haus Welt weite Aufmerksamkeit durch die »Sprache der Göttin«, die am 27. Juni 1993 eröffnet wurde. Die erlebbare und erlebenswerte Ausstellung, zu der Beatrixe Klein das Hauptwerk der 1994 in Kalifornien gestorbenen Archäologin Marija Gimbutas übersetzte, katapultierte das Haus »in andere Dimensionen«. Gerne bereit, Tabus zu brechen, waren im Frauenmuseum schon sehr früh Brustkrebs, mit der Ausstellung Matuschka, die Schönheitsideal und Vision von Mütterlichkeit und Erotik in den Fokus rückte, oder Behinderung ein Thema. So ließ einer der Schwerpunkte des Hauses unseren »normalen« Blick, mit dem wir üblicher Weise beurteilen, was »aus der Norm« fällt, ins Wanken geraten. Und nicht nur theoretisch, sondern auch ganz praktisch soll hier im Hause der Blick der Anderen nicht behindert werden. In Folge dessen bestimmt beispielsweise der Blickwinkel von RollstuhlfahrerInnen die Hängung der Exponate. Schon in der »Gründerzeit« waren mit dem Frauenmuseum »finanzielle Probleme verbunden«, deren Lösung immer noch aussteht. Doch auch im kommenden Jahr, wenn nur noch ein minimalistischer Etat zur Verfügung steht, sind die drei, Eva Schuster, Kim Engels und Beatrixe Klein, »gewillt zu sehen, dass es weiter geht.« Doch nicht mehr um jeden Preis. Schließlich war es immer das »Leben in Bewegung«, das Frauenalltag ausmacht, weil sich nur in der Beweglichkeit reagieren lässt. Neben der Bereitschaft – mit den Frauenkriminächten Anfang der 90er Jahre, den Kunstsommern oder mit der Beteiligung an den diesjährigen Phototagen und der Literaturnacht – Neuland zu betreten und nach Möglichkeiten Ausschau zu halten, sich kulturell zu vernetzen, war es stets der neugierige Blick, der kritisch und wach – zuweilen auch angriffslustig – Geschichte, deren Wurzeln im weiblichen Alltag ruhen, bewusst werden zu lassen.
Es sind die Visionen, die Menschen am Leben erhalten und Institutionen, wie das frauen museum wiesbaden in Bewegung. Dass es eine Vielzahl an Visionen sind, wird an den Einsendungen zum Geburtstag klar, die alle »Mein Stück Frauenmuseum« zum Inhalt haben. Hier werden Erinnerungen an vergangene Ausstellungen wach und Erfahrungen bei Veranstaltungen wieder bewusst.