Aktuell

Gestickte Geschichte(n)

8. November 2015
— 31. Oktober 2016

Zwischen Tradition und Moderne

Die Ausstellung präsentiert bestickte Spruchtücher wie Überhandtücher, Decken oder Wandbehänge, die in vielen Haushalten – in Wäscheschränken, an Kästen oder gut platziert an den Wänden von „guten Stuben“ – hingen.

Der gestickte Spruch erlebte seine Blütezeit zwischen 1870 und 1930. Groß- und kleinbürgerliche, proletarische und bäuerliche Haushalte wurden überzogen mit moralischen und religiösen Sprüchen.
Spruchtücher hatten einerseits den praktischen Zweck zu schützen und zu schonen, Ordnung zu schaffen und gleichzeitig das „Traute Heim“ zu schmücken. Andererseits sind diese Tücher ein Stück Geschichte weiblicher Tradition. Sie legen Zeugnis ab über das damalige Frauenbild, die damaligen Wertvorstellungen und Rollenfestschreibungen. Der gesellschaftlichen Bestimmung zufolge war der eigentliche Wirkungskreis der Frau die häuslich-private Sphäre, während die öffentliche dem Mann vorbehalten blieb. Viele der Sprüche appellierten zu Fleiß, Frömmigkeit, Sparsamkeit und Häuslichkeit der Frau, die in ihrer Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau verortet war.
Die bestickten Textilien wurden aufgehängt, aufgehoben und weitergegeben. Die Weitergabe erfolgte ausschließlich in der weiblichen Linie. Somit sind Handarbeiten, insbesondere Sticktücher, auch als weibliche Genealogien zu verstehen.

Die historischen Objekte werden mit zeitgenössischer Kunst ergänzt. Mit viel Witz und Sinn für Absurdes beleuchten die Künstlerinnen Birgit Rüberg und Veronika Olma in ihren gestickten Bild-Text-Werken gesellschaftliche Verhältnisse.

Gefördert mit Mitteln des Landes Hessen